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Klappentext zum Buch

Aufleger, Stefanie (2012): Das reizende Mädchen. Eine Erzähldokumentation.

Friedas Hände zittern. Sie ringt um Fassung. Denn sie war das Mädchen, das Karl Blumberger 14 Jahre lang sexuell missbraucht hat. Sie war die Frau, die die erfolgreiche Karriere des angesehenen CDU-Politikers durch ihre Anzeige jäh beendete. Und sie ist die Frau, die als Einzige die wahre Geschichte kennt …“

In ebenso mitfühlenden wie provozierenden Interviews, in ebenso direkten wie unverblümten Schilderungen dokumentiert die Journalistin Stefanie Aufleger den Fall eines jahrelangen Missbrauchs.
Als Frieda vier Jahre alt ist, lässt ihre Mutter sie zum ersten Mal mit Karl Blumberger allein, ein Freund der Familie und als CDU-Politiker ein bekannter und angesehener Mann. Er kann dem Reiz des Mädchens nicht widerstehen. Regelmäßig kommt es in der CDU-Geschäftsstelle zu Übergriffen.
Blumbergers Neigung ist bekannt, an Mahnungen fehlt es nicht. Wie konnte der Missbrauch trotzdem über Jahre hinweg geschehen? Und wie konnte Blumberger gleichzeitig Täter und großväterlicher Freund sein?
Stefanie Aufleger begleitet Frieda Hornung durch alle Höhen und Tiefen des Aufarbeitungsprozesses. Ein Buch über das Wegschauen, die Heuchelei und die Mitschuld der Gesellschaft. Eine tapfere und mutige Konfrontation mit dem Ungeheuerlichen – ergreifend, authentisch, schonungslos, wütend machend.

Die Autorin:
Stefanie Aufleger, geboren 1977 in Heidenheim a. d. Brenz, lebt und arbeitet als Beraterin, Journalistin und Buchautorin in Konstanz am Bodensee. Seit 2001 führt sie ihr eigenes Unternehmen und entwickelt Wachstumskonzepte und integrative Lösungen für Betriebe und deren Mitarbeiter.
Drei Jahre lang recherchierte sie über sexuellen Missbrauch. Sie begleitete Betroffene und beleuchtet nun die brisante Thematik überraschend vielschichtig. Ihre Erfahrungen fasst sie in dem vorliegenden Buch „Das reizende Mädchen“ zusammen und appelliert darüber hinaus auch in Vorträgen und Seminaren an alle: „Hinschauen! Denn jeder Fall ist anders.“

Stefanie Aufleger
Das reizende Mädchen
nardelli verlag
Preis: 21 Euro (D)
ISBN 978-3-9814616-8-8

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Interview mit der Autorin Stefanie Aufleger

„Wir müssen lernen, hinzuschauen“

So umfassend und von allen Seiten beleuchtet wurde das Thema „sexueller Missbrauch“ noch nie: In dem Buch „Das reizende Mädchen“ erzählt die Autorin und Journalistin Stefanie Aufleger sehr mitfühlend die Aufarbeitung eines Missbrauchs durch alle Höhen und Tiefen hindurch und beschreibt die Beziehung zwischen Täter und Opfer. Sie erklärt in detaillierten Schilderungen des Umfeldes und der familiären Verhältnisse, wie es zum Missbrauch kommen konnte und was die veröffentlichte Meinung daraus macht. Ein Interview über die Folgen eines spektakulären Falles von sexuellem Missbrauch und die Lehren daraus.

Warum haben Sie ein Buch über sexuellen Missbrauch geschrieben? Es gibt angenehmere Themen …
Da haben Sie natürlich vollkommen Recht. Ein Journalist sollte sich bei der Themenauswahl aber nicht an dessen emotionaler Attraktivität orientieren, sondern vielmehr die Brisanz und den sinnvollen Nutzen für den Leser im Fokus haben.
Sexueller Missbrauch bewegt die Menschen und sorgt fast regelmäßig für reißerische Skandalmeldungen. Mir fehlt in der öffentlichen Diskussion freilich eine differenzierte Auseinandersetzung damit. Genau diese ist aber wichtig, wenn man sexuellen Missbrauch erkennen und verhindern möchte. Die übliche Schwarz-Weiß-Malerei wie „böser Täter – armes Opfer“ ist kontraproduktiv und keine Hilfe für Betroffene, die ihren Missbrauch aufarbeiten. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Daher widmete ich mich intensiv der Thematik und führte viele Gespräche mit Missbrauchsopfern. Eines davon ist Frieda Hornung. Ihren Aufarbeitungsprozess habe ich über drei Jahre lang begleitet und in meinem Buch aufgeschrieben. Ihre Geschichte steht für viele – und gleichzeitig macht sie allen Lesern Mut.

Eine „Bettlektüre“ ist nicht dabei herausgekommen …
Das reizende Mädchen ist eine Erzähldokumentation. Zum einen erzählerisch, fast romanhaft. Zum anderen gestützt auf Originaldokumente, die dem Fall Frieda Hornung zugrunde liegen.
Frieda vertraute mir ihre Prozess-Akte an – mit Protokollen der Verhöre: von ihr, dem Täter, einem bekannten CDU-Abgeordneten, ihren Eltern, Nachbarn etc. und dem Gerichtsurteil. Sie sammelte Zeitungsartikel über ihren Fall und ich las ihre Tagebucheinträge und Briefe. Als ich ihre Akte zum ersten Mal studierte, war mir klar, dass das kein Stoff für eine Bettlektüre sein kann, denn die nackte Wahrheit macht weit betroffener als jede Fiktion. Gleichzeitig geben diese Dokumente einen vielschichtigen Einblick in die Thematik und verändern festgefahrene Denkmodelle.

Sexueller Missbrauch ist leider ein Dauerthema. Es wird viel darüber geschrieben und geredet. Es ist öffentlich ständig präsent. Wer etwas darüber lesen oder wissen will, hat es doch schon längst getan. Warum sollte ich mir also Ihr Buch kaufen?
Die Geschichte des reizenden Mädchens ist einzigartig. Das lässt sich schon am Umschlag erkennen: Jedes Buch trägt auf der Rückseite eine fortlaufende Nummer und macht jedes Exemplar zu einem Unikat. Das ist zugleich die Botschaft des Buches: Hinschauen – denn jeder Fall ist anders! Die individuelle, wertfreie Betrachtung von Einzelschicksalen schärft unseren Blick fürs Wesentliche und lässt uns erkennen, wo unser Einsatz erforderlich ist.
Mir ist bisher kein Fall bekannt, der so facettenreich geschildert wird. Auch diese vielschichtige Betrachtungsweise ist einzigartig. Zugleich steht der von mir dokumentierte Fall für viele andere Geschichten, die sich so oder ähnlich abspielen.
Wir alle kennen Opfergeschichten über Menschen, die Traumatisches erlebt haben. Die Geschichte von Frieda Hornung ist eine Hoffnungsgeschichte, die uns zwar schonungslos aufwühlt, zugleich aber tiefe Einblicke und Einsichten schenkt. Vor allem aber macht sie uns Mut! In Frieda fand ich eine mutige, selbstbewusste Frau vor, die sehr reflektiert auf ihren Missbrauch zurückblickt. Ich konnte sie ein Stück weit in ihrem Aufarbeitungsprozess begleiten, durchlebte mit ihr Höhen und Tiefen. Sie hat sich strikt dagegen gewehrt, als Opfer angesprochen zu werden, was ich zunächst nicht verstehen konnte. Durch sie habe ich gelernt, dass in dem Bestreben, das eigene Leid zu überwinden, der Schlüssel zu einem erfolgreichen Aufarbeitungsprozess und zu innerer Heilung liegt.

Warum kommt es so häufig zu sexuellem Missbrauch?
Man könnte es sich leicht machen und sagen: Weil es noch genügend Menschen gibt, die ihre Grenzen nicht kennen und sich an Kindern vergreifen. Das wäre aber nur ein Aspekt von vielen. Bei jedem Missbrauch gibt es ein Umfeld, das die Tat begünstigt oder zulässt. Warum fällt keinem auf, dass ein Kind jahrelang und regelmäßig in den Händen eines Täters ist? Warum erzählen die Kinder nichts?
Meine persönliche Meinung dazu: Wir müssen lernen, hinzuschauen – und dabei zunächst wissen, worauf es zu achten gilt. Zum Beispiel sind Kinder, die in ihrem Elternhaus wenig Aufmerksamkeit und Liebe erfahren, eher bereit, sich einem fremden Menschen anzuvertrauen. Wenn in der Familie keine vertrauensvolle Gesprächskultur gelebt wird, dann werden sie sich auch in schamhaften Notsituationen keinem anvertrauen wollen.

… und keiner merkt etwas.
In den meisten Fällen stammen die Täter aus dem direkten Umfeld der Betroffenen. Sie sind den Kindern nahe und vertraut. Wie auch im Fall von Frieda: Der Täter war als Politiker eine bekannte Persönlichkeit und zudem enger Freund der Familie. Warum hätten die Eltern ihm misstrauen sollen? Bei den sexuellen Übergriffen selbst hingegen sind Opfer und Täter allein.
Woran sonst könnte man es also merken? Verdächtig ist zum Beispiel, wenn sich ein Kind eigenartig verhält, etwa besonders ruhig ist, schüchtern. Aber dieses Verhalten könnte auch immer andere Ursachen haben. Es ist also schwierig, Missbrauch sofort zu erkennen. Es geht darum, auch kleinste Verdachtsmomente wahrzunehmen. Und den Mut aufzubringen, unseren Verdacht zu äußern.

Der Täter Ihres Buches ging im Elternhaus des Opfers ein und aus und zeigte sich auch in der Öffentlichkeit häufig mit dem Mädchen. Das alleine macht ihn noch nicht verdächtig, oder doch?
Nein, natürlich nicht. Und ich warne davor, jeden Menschen gleich zu verdächtigen, nur weil er sich einem Kind liebevoll zuwendet. Ich wiederhole: Es geht darum, genau hinzuschauen und die Absichten der Menschen zu hinterfragen, die den Kontakt zu Kindern suchen.

Wo sehen Sie die größten Probleme, wo den größten Handlungsbedarf?
Viele Menschen sind so sehr mit sich und ihren eigenen Problemen beschäftigt, dass sie gar nicht mehr mitbekommen, was um sie herum passiert. Da sollte sich jeder an die eigene Nase fassen: Nur wer sein Leben im Griff hat, kann auch für andere stark sein. Wer es nicht allein schafft, hat die Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Genauso wichtig ist meines Erachtens, Kinder in ihrer Wahrnehmung zu stärken. In der Regel hat ein Kind ein ganz gutes Gespür dafür, wer ihm gut tut und wer nicht. Immer noch viel zu häufig wird Kindern aber genau das abtrainiert, werden ihre natürlichen Grenzen abgebaut, zum Beispiel in Situationen wie: „Gib der Tante mal einen Kuss! Los, setz dich dem Onkel auf den Schoß! Sei lieb zu dem Nachbarn!“ Warum verlangt man von einem Kind, sich zu überwinden, wenn es das von sich aus nicht will?
Drittens: Bei sexuellem Missbrauch lassen wir uns oft dazu verleiten, den Fokus auf die Sexualität allein zu lenken. Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Sexuelle Probleme können die Folge sein. Es wird aber noch etwas anderes missbraucht: Urvertrauen, Selbstvertrauen, das Vertrauen in Menschen und in die Welt. Das wieder aufzubauen, ist ein schwieriger und langer Prozess, der einen sorgsamen Umgang miteinander voraussetzt.

Für Unbeteiligte ist der Fall klar: Hier der Täter, dort das arme, bemitleidenswerte, schwersttraumatisierte Opfer. Das vermittelt in Ihrem Buch aber einen ganz anderen Eindruck. Müssen wir unsere beschränkte Sichtweise von sexuellem Missbrauch revidieren?
Jeder Fall ist anders und pauschale Sichtweisen über Opfer und Täter bringen uns nicht weiter. Wenn wir im Einzelnen verstehen wollen, wie Missbrauch überhaupt passieren kann, kommen wir nicht umhin, uns auf den Standpunkt der Betroffenen zu stellen und den Fall aus ihrer Sicht und ohne Bewertung zu betrachten.
Im Fall Frieda Hornung ist uns das möglich: Durch die im Buch abgedruckten Dokumente lernen wir die Sicht von Täter, Opfer, Umfeld, Medien, Justiz, Freunden und der Öffentlichkeit kennen und beginnen besser zu verstehen, warum es wiederholt und über Jahre hinweg zu Übergriffen kommen konnte. Wir können auch erahnen, wie der Täter tickt und was für ein Mensch er war. Es zeigt sich, dass der Grad manchmal sehr schmal ist. Dann kann es in einer alltäglichen Situation passieren: Der liebe Onkel wird plötzlich zum Täter.

Ihre Konsequenz daraus?
Wir müssen unser Schubladendenken aufgeben und nicht mehr länger an dem Bild der armen, bemitleidenswerten, schwersttraumatisierten Opfer festhalten. Zweifelsfrei leiden sie unter dem Erlebten. Doch wir tun ihnen keinen Gefallen, wenn wir sie in der Opferrolle festbinden. Stattdessen sollten wir sie darin unterstützen, eine neue Perspektive einzunehmen, sie dazu ermutigen, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Wir sollten ihnen eine erfolgreiche Aufarbeitung zutrauen und sie dahingehend bestärken, ein erfülltes, glückliches Leben führen zu können.

Der in ihrem Buch dokumentierte Fall liegt schon einige Jahre zurück. Der Aktendeckel ist längst zu, der Täter wurde verurteilt, die Medien haben darüber berichtet. Hätten Sie es damit nicht gut sein lassen können?
„Das reizende Mädchen“ baut zwar auf einer wahren Geschichte auf. Alle Namen, Orte usw. sind aber verfremdet, um Persönlichkeitsrechte zu wahren. Der Deckel der Originalakte ist und bleibt zu. Darum geht es auch gar nicht. Vielmehr ist Friedas Zeugnis ein Geschenk an uns alle. In Interviews gewährte sie mir intimste Einblicke und ließ mich teilhaben an ihrer Aufarbeitung.
Ich habe sie mal gefragt, warum sie mir das alles erzählt. Ihre Antwort war: „Wenn nur ein Mensch daraus lernt, wenn nur eine Person sich aufgefordert fühlt, genau hinzuschauen und sich einzumischen, wenn dadurch nur für ein Kind der Albtraum aufhört, wenn dadurch nur ein Betroffener Hoffnung auf ein selbstbestimmtes, glückliches Leben schöpft – dann hat es sich schon gelohnt!“ Ich glaube, das sagt alles über die Beweggründe aus, dieses Buch zu schreiben.

Müssen wir einfach hinnehmen, dass es sexuellen Missbrauch gibt? Was kann der Einzelne dagegen tun – ob er selbst Betroffener ist oder nicht?
Das reizende Mädchen ist unter uns. Der reizende Junge auch. Wachsam sein und hinschauen, das ist das einzige, was wir tun können.

Medienecho

Resonanz auf „Das reizende Mädchen“ von Stefanie Aufleger
Auszug aus dem Pressespiegel

„Das Buch „Das reizende Mädchen“ erzählt die Geschichte eines Missbrauchs und dessen Aufarbeitung, vermittelt aber auch, dass Betroffene eben nicht nur ihr Leben unter dem Eindruck dieses Geschehens verbringen müssen, sondern ihr Dasein darüber hinaus auch vielschichtig und facettenreich ist. Aufleger gewährt Einblicke in die Seele, die sehr zu Herzen gehen, gleichzeitig wütend und Hoffnung machen, dass auch ein solches Leben gelingen kann, wenn die Betroffenen nicht den Fehler machen, als Opfer nur das Opfer zu sein. Was zunächst befremdlich erscheint, entpuppt sich sehr bald schon als ein Hinweis, wie der Umgang mit Missbrauch gestaltet sein sollte: individuell. „Hinschauen“ lautet Auflegers Rat. Das Buch berücksichtigt auch in sehr berührender Form den juristischen Aspekt: Vernehmungsprotokolle, Strafverhandlung, Urteil spiegeln die Welt wieder, der sich Betroffene ausgesetzt sehen müssen. Eine Welt aus Paragrafen, juristischen Formulierungen, eben dem Versuch, das Geschehen zu schematisieren, um es juristisch bewerten zu können. Die ganzheitliche Betrachtung, die Aufleger in ihrer Geschichte mitreißend schildert, bietet einen Ansatz zur Problemlösung, will jedoch keinesfalls eine weitere Schablone sein, denn die Autorin weiß: „Jeder Fall ist anders.“

Marita Kasischke, Heidenheimer Zeitung, 27. Oktober 2011


Auflegers Schilderungen vermitteln uns ganz unterschiedliche, auch überraschende Einsichten und Erkenntnisse. Die Achtung gegenüber den Menschen, welche Vertrauen schenken konnten und über ihre Geschichte sprachen, diese Achtung hilft mit, dass man diese Geschichte um Frieda Hornungs Leben niemals mehr vergessen wird. Dieses Buch ist eines der wirklich wichtigen Bücher im Leben, es klärt auf, sensibilisiert und regt an, bewusster zu leben, Mitmenschen wahrzunehmen und Verantwortung zu tragen für sich und seine Mitmenschen. Diese Geschichte macht auch wütend, doch wenn wir Frieda zuhören, merken wir, dass Wut keine Hilfe darstellt, sie ist lediglich eine verständliche Reaktion unserer Hilflosigkeit.
Meine Wertung: 9/10

Die ganze Rezension unter: http://www.lesefieber.ch/buchbesprechungen/stefanie-aufleger-das-reizende-madchen/

Manuela Hofstätter, Lesefieber.ch, 05.012012

 


Kritik Heidenheimer Zeitung, Lesung in Heidenheim am 22.11.2013