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HARTE NUSS
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Mancherorts kommt der Weihnachtsmann mit seinen Gehilfen Knecht Ruprecht. Dessen Aufgabe ist es, Angst zu verbreiten! Die Kinderlein, die nicht artig waren lehrt er mit seinem Auftritt das Fürchten. Manchmal zieht er seine Rute aus dem Sack und verdrischt damit die „bösen Kinder“.

Gott sei Dank herrscht auch beim Weihnachtsmann Personalmangel und er kommt zwischenzeitlich ganz allein zum Geschenke verteilen. Der Auftritt Ruprechts ist mit heute gängigen Erziehungsmethoden auch nicht mehr vereinbar.

Ich selbst erinnere mich noch gut an meine Kindheit und daran, welche Angst wir Kinder vor Ruprecht und seiner Rute hatten…

Heute haben wir ein neues Erziehungsmittel entdeckt: Sanktionen. Das klingt schon etwas gefälliger: ‚Sankt‘ erinnert an den ‚Sankt Nikolaus‘, der Heilige, der im Bischofsgewand mit Staab und Mitra die Kinder besucht.

Tatsächlich leitet sich das Wort ‚Sanktionen‘ vom lateinischen Ursprung ‚sanctum’ ab und bedeutet: ‚heiligen, unverletzlich machen, bestätigen, anerkennen, bei Strafe verbieten‘.
Heute verwenden wir es fast ausschließlich für ‚Bestrafung’. Das ‚Heilige‘ daran scheint verloren oder gilt auch hier: der Zweck heiligt die Mittel?

Schnell und laut ist der Ruf nach Sanktionen: Wenn jemand nicht gleich das bekommt, was er will, ruft er sich Hilfe von Stärkeren. Früher musste das der große Bruder klären, heute holt man den Chef – und ganz beliebt ist das Spielchen, gleich mehrere Hierarchieebenen zu überspringen und auf den obersten Boss die Rolle des ‚Knecht Ruprecht‘ zu projizieren.

Achtung: Feueralarm! Ein kleiner Streit Einzelner wird auf die große Bühne gezerrt – von da an stecken ALLE mit drin. Besonders brisant wird es, wenn der Chef die Macht-Ohnmacht-Spielchen nicht durchschaut. Wenn er die im zugeteilte Rolle annimmt, wenn er sich einmischt oder gar auf eine Seite schlägt, eröffnet er den Krieg. Der einzig, richtige Text vom Chef in solchen Situationen wäre: „Alle Streithähne an einen Tisch. Sofort!“ Die Mittel für so ein Gespräch sollten im Werkzeugkoffer eines jeden Chefs ganz oben liegen. Es sind die drei K’s: Klarheit, Kompetenz und Konsequenz. Und falls es doch zu heiß wird, holt er sich fachkundige Hilfe – von AUSSEN!

Aus meiner Sicht ist der Ruf nach Sanktionen ohnehin eine Kapitulationserklärung an die eigene Kommunikationskultur. Es drückt die Unfähigkeit aus, gemeinsam klären zu können (und zu wollen!), wie das Problem gelöst werden kann. Die Chansonsängerin Annette Louisan besingt diese Phänomen treffend: „Bleib mir weg mit deiner Lösung, es wäre der Tod für mein Problem.“ Wer hat was davon, dass Probleme bestehen bleiben? Diese Frage Frage, gilt es zu klären!

Eine Lösung gibt es erst, wenn alle Beteiligten bereit sind, über ihren Schatten zu springen, ihre Opfer-Täter-Haltung aufgeben und Verantwortung für ein friedliches Miteinander zu übernehmen.

In diesem Sinne: bleibt friedlich!
Eure Stefanie

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